Unsere Geschichte

Culcer Feld, Datei Vergangenheit

Dobrita, Heim der Erinnerungen

Aus der Ortschaft Dobrita und bis in Landkreishauptstadt Targu-Jiu, auch bekannt als die „Stadt des Brancusi sind es gerade mal 16 Km. In nur 2,5 km Entfernung befindet sich das Nationale Reservat Sohodolu-Klamm (Cheile Sohodolului). Bis zum Gedenkhaus „Constantin Brancusi” fährt man weitere 16 Km und um zum Heiligen Kloster Tismana zu gelangen braucht man nur 31 km hinter sich zu legen. „Jedes Haus, jeder Stein, jede Landschaftsecke hierzulande haben eine eigene Geschichte zu erzählen und sogar ich, der sie bereits alle kenne, bitte jedes Mal wenn ich daher komme dass sie mir aufs Neue erzählt werden“ meint Gabriel Culcer. „Die jungen Leute unserer Tage kenne ich nicht und auch diese wissen nicht wer ich bin … die Alten sind beinahe alle ausgestorben … aber was soll’s?… Ihre Geschichten sind uns erhalten geblieben”.

Das Gehöft Culcer liegt in nächster Nähe des Hauses „Oberst Petrescu” (Casa Colonel Petrescu), der Ort an dem sich König Mihai der I. von Rumänien nach der Inhaftierung Generals Ion Antonescu zurückgezogen hat, als die Kommunisten die Macht übernommen haben. „Vor Zeiten schlug einem, sobald man Targu-Jiu verließ, die von einer frischen Windbö getragene reine Luft, die von den sich am nördlichen Horizont in einer beinahe ununterbrochenen Kette aneinander gliedernden Gebirgskämmen herab wehte, förmlich ins Gesicht: die Gipfel „Plesa“, der Kleine Siglau („Siglaul Mare“) und der große Siglau („Siglaul Mic“), der Muncel („Muncelul“), die Sanune („Sanunele“), die „Cioaca Bernei“, der „Bordul“ in der Form eines Schrägdaches, der „Dragoman“, der Berg der Valaren („Muntele Valarilor“), sie alle reihen sich aneinander zu unserer Rechten, während in Richtung Osten der Gipfel „Straja“ (die Schildwache) als geometrischer Kegel in den Himmel ragt und sich deutlich von den anderen Gipfeln, eben so wie es sich für eine Schildwache gehört, abhebt ”.

Wenn man als Wanderer auf den von der Zeit festgestampften Pfaden der Vergangenheit herumirrt, sollte man sein Ohr all dem was die Historiker so zu erzählen haben leihen und sich die alten Aufzeichnungen anschauen. Lassen Sie uns eine kurze Rast in die Welt der alten Sammelstücke machen, jenen Gegenständen welche, obgleich von der Patina der Zeit besiegelt, trotzdem niemals „altersbedingt unbrauchbar“ werden. Zugleich lassen sie uns den Ranzen mit Antiquitäten durchstöbern und aus Schubladenecken alte Erzählungen hervorkramen und uns die Zeit nehmen ein wenig durch die Relikten längst vergangenen Ären zu schwelgen. Das beeindruckende Werk des Diplomingenieurs Gabriel Culcer (Sohn des Dr. Max Culcer) „Porträte der Vergangenheit“ („Chipuri din batrani“), das uns hierfür als Wegweiser dient, wird uns auf Schritt und Tritt in diesem Abenteuer begleiten. Monografien des Familienstammbaums, in Stein gehauene Büste, Gemälden, Münzen, Briefmarken, Uhren, Waffen, Medaillen, Postkarten, aus der Seele geschriebene Briefe, Ikonen, Tafelsilber, Biedermeiermöbel, sie alle bilden ein durch einer mystischen Aura umgebenes Universum welche dem Gast die wunderbare Gelegenheit geben in den vergilbten Seiten der Geschichte zu durchstöbern. Die „mosaikartigen Darstellungen“ der Porträte der Vergangenheit bewahren stets ihre verführerischen Züge, selbst für das Auge des „Laien“, dem eine solche Wertschätzung nicht auf der Hand liegt. An diesem Ort verbreiten alte Mythen Licht und Farbe. „Zwischen uns, die die wir heute da sind, und ihnen, diejenige die einmal dagewesen sind, gibt es so viele verborgene Bindungen, so viele dauerhafte Beziehungen, dass wir nichts weiter machen als unserer Pflicht nachgehen wenn wir die Staubschicht, welche ihre Erinnerung bedeckt, zur Seite fegen“. Wenn es um jene Persönlichkeit zu sprechen kommt, die sich durch ihre Verdienste auf eine ehrenvolle Position erhoben haben, wie Nicolae Balcescu (rumänischer Anführer der Revolution von 1848 der im italienischen Exil gestorben ist), Theodor Aman (einer der berühmtesten Klassiker der rumänischen Malerei), dem General Culcer und, nicht zuletzt, der Erbin des geschichtegeladenen Gehöfts, Frau Dr. Ana Culcer, Tochter des Eigentümers Dr. Max Culcer und Urenkelin des Chefarztes der rumänischen Hauptstadt, Dimitrie Culcer, muss unbedingt erwähnt werden dass all diese Menschen aus dem Geschlecht der Culcer entsprossen sind. Das Geschlecht der Culcer hat Geschichte geschrieben: vier Generationen landesberühmter Ärzte: Dimitrie, Dumitru-Tache, Dimitrie-Max und Ana Culcer, der Offizier Vladimir C, der General Ion C, dem Hauptmann Costica C, dem Unterpräfekten Eugen C und der Präfekten Grigore. Es geht um beinahe zwei Jahrhunderte einer mit diesen Ort eng durchwobene Geschichte, mit einer Vielzahl von Verbindungen zu den weiteren bedeutenden Traditionsfamilien in der Region: den Otetelisanus, den Poenarus, den Schilerus, den Samboteanus, den Gigurtus, den Mandreas, den Dumitrus oder den Petrescus. Das Herrenhaus Culcer in Dobrita wurde aber auch von einer Reihe von Persönlichkeiten der rumänischen und europäischen Kultur besucht, unter anderen der Bildhauer Constantin Brancusi.



Der Wunsch jedes Menschen seine Abstammung zu kennen ist wohlbekannt. „Es wir erzählt dass das Geschlecht der Culcer aus der Gemeinde Corabia sub Cetate, an den Ausläufern des Gebirges Lapus, bei der Festung Ciceu abstammen würde und zu jenen Zeiten als des Geschlecht der Corabia Ansässigen bekannt gewesen ist“. Die Geschichte des Familiengeschlechtes in der Region Dobrita hatte seinen Anfang mit Dimitrie Culcer(1807–1867). Als Arzt der seine Fachkenntnisse in Pest und Wien erworben hat und der 1848 Anica Otetelisanu heiratete, sollten seine Nachkommen insgesamt berühmte Ärzte und Militärs werden. Sein Schwiegervater, Nicolae Otetelisanu, war zu jenen Zeiten Vorsitzender des Landkreisgerichtshofes Gorj und somit einer der Hauptpersönlichkeiten des Landkreises. Durch die Heirat mit Anica ging auf dieser Weise das Landgut Dobrita auf das Geschlecht Culcer über. „Als Mitgift erhielt Anica die väterlichen Häuser in der Landkreishauptstadt Targu-Jiu und der östliche Teil des Landgutes Dobrita, von der Barloaia und bis zum Plaisor“, ist in den alten Chroniken vermerkt worden. 1864 wurde Dimitrie dann zum Chefarzt von Bukarest gekürt, nachdem er vorher die Stellungen des Chefarztes für die Landkreise Gorj und Dolj bekleidet hatte. Als er dann 1867 seine ewige Ruhe fand wurde er auf dem städtischen Friedhof von Targu-Jiu bestattet. Seine Witwe, die Tochter der Otetelisanu, auf welche die Aufgabe der Erziehung und Ausbildung der sieben verbliebenen Söhne überging, sollte sich nachher nach Craiova (Landkreishauptstadt von Dolj) zurückziehen. „Von einem besonderen – insbesondere urkundlichem Interesses – in Bezug auf die Familie der „Geschlechtsgründer“ Dimitrie und Ana Culcer (geborene Otetelisanu) sind in erster Reihe die Briefe letzterer an ihre Schwester, Elena Economu, die in der Landkreishauptstadt Ramnicu-Valcea herheiratet war und sich dann später im Landgut Dobrita niederließ, welche Ana ständig sowohl materiell als auch geistlich einen bedeutenden Beistand geleistet hat. Noch mehr, da Elena kinderlos blieb, hinterließ sie ihren gesamten Reichtum in Dobrita und das elterliche Haus in Targu-Jiu ihrem Neffen Max Culcer, der älteste Sohn ihrer Schwester. Die Briefe stammen aus der Zeit von 1859 bis 1870 und aus diesen ist besonders deutlich der Geist jener Zeiten ersichtlich“. Ana Culcer verstarb 1871 und wurde neben ihrem Gatten in der Familiengruft in Targu-Jiu bestattet.

Die zweite Ärztegeneration in der Familie hat ihren Anfang mit dem Arzt Dumitru (Tache) Culcer (1850-1927). Während seines Medizinstudiums in Paris befreundete er sich mit Ion C Bratianu (rumänischer Politiker, Ehrenmitglied der rumänischen Akademie ab 1888). Am 16. Januar 1882 heiratete Dumitru Ana (Netty) Balcescu, die Tochter des Barbu Balcescu, Bruder des erlauchten rumänischen Revolutionsanführer von 1848, Nicolae Balcescu“. Er machte an einem lauen Abend Bekanntschaft mit Netty, seiner zukünftigen Gattin, in Craiova, im Haus ihres Schwagers, Major Gigartu. Netty war die jüngste unter den Töchtern des Barbu Balcescu, zu jener Zeit Vorsitzender des örtlichen Gerichtshofes. Dieser Barbu, älterer Bruder des Nicolae, hatte drei Töchter: Olga, Zoe und schließlich Netty, wobei in jener Zeit alle drei als die heiß begehrtesten Heiratskandidatinen in der „kleinen Walahei“, wie die Region Oltenien im Südosten Rumäniens bekannt war, gehandelt wurden. Wenn damals ein Ortsfremder sich erkundigte was wohl das Wertvollste in Craiova sei, wurde ihm unweigerlich geantwortet: Der Park Bibescu, die Kirche des Heiligen Demetrios und die Töchter des Balcescu“. Am Tag des Heiligen Demetrios desselben Jahres gebar Ana Max Culcer ihren ältesten Sohn, den ersten einer Reihe der fünf Sprösslinge. Dieser sollte ebenfalls Arzt werden und die Familientradition weiterführen. „Nach Max und nach Lenchen, bekam Tache 1886 die Marioara und später, nach einer achtjährigen Pause, kam 1894 Ana und zuletzt, 1897, das Nesthäkchen Vera“. „In der Zeit von 1902 bis 1904 und dann wieder von 1907 bis 1910 wurde Tache zum Präfekten bestellt. Er trug zur Förderung des Lebensniveaus des Landkreises bei indem er Dorfschulen und Dorfbibliotheken errichten ließ, Brücken baute und die Straßen instand brachte.

Zugleich unternahm er eine Vielzahl von erneuernden Maßnahmen im Bereich der Gesundheitspflege und der örtlichen Verwaltung. „Doktor Culcer half der Gemeinde die Schule, das Ratshaus und die Kirche zu errichten … viele in Not befindliche Bauern die ihn aufsuchten wurden beim Weggehen mit Mundvorrat versorgt … sogar auch dann, wenn es ums Gerichtssachen ging, kamen die Menschen auf ihn zu“. Trotz seines Alters von 66 Jahren meldetet sich Dr. Culcer als freiwilliger Militärarzt während des Ersten Weltkrieges und mit übernahm dem Grad eines Majors die Leitung des Feldlazaretts in Vadeni. Hier befand sich unter seinem Befehl die Krankenschwester Ecaterina Teodoroiu (1894-1917, berühmte Heldin des Ersten Weltkrieges, die als Kundschafterin gefallen ist). Er verstarb am 13. August 1927 und wurde auf dem Friedhof von Targu-Jiu bestattet. So wie bereits erwähnt war Dimitrie Max Culcer (1882-1969) der dritte Arzt seiner Generation und sollte sich als der Nonkonformist der Familie schlechthin entpuppen. Aufgewachsen auf den Almen der Dobrita, besuchte er die Grundschule in Targu-Jiu, wobei einer seiner Lehrer der bedeutende Gelehrte Alexandru Stefulescu sein sollte. Das Maturadiplom erwarb er in Bukarest und schrieb sich alsdann im Jahre 1902 als Student der Medizinfakultät ein. Als er 1904 bei seinem Urlaub während des Militärdienstes eine Reise nach Targu-Jiu unternahm, erlitt er während er sich auf der Fahrt nach Dobrita befand, am 13. Juli, einen furchtbaren Kutschenunfall. Sein Gewehr entlud sich dabei und verletzte ihn schwer am Bein. Noch schlimmer, die Wunde heilte nicht und ging in ein Gangrän über, was die Amputation des Beins erforderlich machte. „Es war im Sommer des Jahres 1904 und Max Culcer befand sich im Militärdienst.
Am 13. Juli befahl er dass die Pferde vor seine Kutsche gespannt werden, nahm sein Gewehr, den Jagdhund und eine Magd mit, die für seine Verpflegung sorgen sollte, und fuhr nach Dobrita los. Als er die Brücke über die Susita erreichte, war der Kutscher Stan, der sich an jenem Tag voll gesoffen nicht mehr in der Lage die Pferde zu führen. Voller Wut befahl ihm Max auszusteigen und übergab die Zügel der Magd. Wäre er nicht auf diesen schrulligen Gedanken gekommen und selber auf den Bock gestiegen um die Pferde anzutreiben, hätte wohl sein ganzes Leben einen anderen Lauf genommen… Bei der Ortschaft Barsesti kam der Kutsche eine Kolonne Heuwagen in die Quere, die Pferde scheuten und gingen in Galopp über, die Magd erschrak, ließ die Zügel fahren und fing an zu schreien; Darling, der Hund erschrak ebenfalls und sprang aus der Kutsche. Bei seinem Sprung warf er das Gewehr um, das Max an sich gelehnt hatte. Die Hähne der geladenen Waffe schlugen auf das Trittbrett der Kutsche auf und die beiden Schüsse lösten sich hintereinander. Eine Kugel traf seinen Hut, nur zwei Zentimeter von seinem Kopf entfernt, während der andere Schuss ihn der Länge nach ins Schienbein traf.“

Während der späteren aufregenden Jahre seines Bohème-Lebens in Paris schloss Max Freundschaften mit mehreren Persönlichkeiten seiner Zeit, unter denen der Komponist George Enescu, der Maler Sava Albescu und der Bildhauer Constantin Brancusi. Nebst dem medizinischen Universum ging er sein Leben lang seinen Hobbys nach: das Formen in Tonerde, die Jagd und das Sammeln unterschiedlicher Gegenständen. „Er hatte zahlreiche Kunstgegenstände gesammelt, Gemälde, kunstvoll in Holz geschnitzte Wanderstöcke und Spinnrocken, Ikonen aus verschiedenen verfallenen Dorfkirchen (leider alle in einem stark beschädigten Zustand). Auf dem Gugui Hügel hatte er ein riesiges Kruzifix und eine hohen Ziehbrunnen, beide aus kunstvoll beschnittenem Holz errichten lassen“. Die verschlungenen Pfade des Lebens führten Dr. Culcers Schritte dreimal vor den Traualter. Seine erste Gattin, Marioara Petrescu, gebar ihm einen Sohn, der mit dem Namen Gabriel Culcer getauft wurde. Es ist derjenige der uns durch den Dunst der Zeit in unserer Reise mit jenem „Wegweiser“ der Porträte der Vergangenheit begleitet. Die zweite Ehe, mit Tanta Dumitru, bescherte ihm zwei weitere Kinder, Dan und Adina. Im Alter von 60 Jahren ging er dann zum drittem Mal vor den Traualter mit Anita Popa, mit welcher er weitere drei Kinder hatte, beziehungsweise Petrica, Ion (Nelu) und Ana. Und so bringt uns der Verlauf der Geschichte langsam in die Gegenwart, wo die Zeit, in ihrem ununterbrochenen Lauf, neue Seiten hinzufügen wird. Unsere Gastgeberin, Frau Dr. Ana Culcer, die Erbin von Max Culcer, Chefärztin für Pädiatrie, Doktor in Medizinwissenschaften, Leiterin der Abteilung für Neonatologie des Universitätshospitals (1984-2014), Forscherin auf Landesebene in Fragen für die natürliche Ernährung, angesehene Mitarbeiterin von UNICEF und begründendes Mitglied des Vereins «Geheimnis der Evolution» führt die Familientradition ehrenvoll weiter.

Culcer Stammbaum

 
 

Culcer Domain, von der Vergangenheit in die Gegenwart

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